Venedig im Herbst                                                                                                                                     Foto: Tom Wende

 

 

DAS FENSTER ZUR GESCHICHTE ÖFFNEN

 

Der weltgeschichtliche Optimismus des Philosophen Hegels war bereits vielen seiner Zeitgenos­sen suspekt – doch ist Geschichte tatsächlich nur ein Alptraum, aus dem es kein Erwa­chen gibt? Einblicke zu gewinnen über historische Wege und Irrwege ist Ziel des Geschichtsunterricht an un­serer Schule. Dabei verschaffen wir uns in den Jahrgangsstufen 6 mit 10 zunächst einen chronolo­gischen Überblick über Epochen und Räume der Geschichte. Schwerpunkte bilden zunächst die vor- und frühgeschichtlichen Anfänge der Menschheitsgeschichte im Mittelmeerraum bzw. Europa. Auch bei der Beschäftigung mit den frühen Hochkulturen, der Antike und dem Mittelalter blei­ben wir weitgehend in diesem Raum. Mit der „Entdeckung der Welt“ seit der Frühen Neuzeit weitet sich unsere Perspektive dann in weltpolitische Dimensionen.

 

Zum neuen LehrplanPLUS im Fach Geschichte am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium

 

Der neue Lehrplan, der seit 2018 auch für das Fach Geschichte gültig ist, wurde aus der Perspektive der Lernenden formuliert. So rücken nun vor allem die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt des Unterrichts. Kompetent sind Lernenden dann, wenn sie fähig sind, neue Aufgaben und Problemstellungen zu lösen. Folgende Grundsätze sind damit für den Geschichtsunterricht an unserem Gymnasium wichtig:

1. Historisches Wissen und Können sollen in verschiedenen Zusammenhängen anwendbar und auf variable Kontexte übertragbar sein, um die Fähigkeit zum Problemlösen zu fördern.

2. Wenn historische Kenntnisse Anwendung finden, sollen sie immer einen Lebensweltbezug aufweisen.

3. Das historische Wissen soll nachhaltig und anschlussfähig sein

4. Die Lehrkräfte vermitteln historische Kompetenz, indem sie sich auf Quellen stützen und multiperspektivisch, multikausal, gegenwartsbezogen und handlungsorientiert lehren.

 

Ein besonderes Ziel des Geschichtsunterrichts ist es auch, die Schüler bei der Entwicklung eines chronologischen Bewusstseins und eines sicheren Grundwissens zu unterstützen, um die Vielfalt historischer Phänomene besser einordnen zu können. Anschaulichkeit ist dabei ein wichtiges Anliegen der Unterrichtspraxis. Dabei sollen vielfältige Unterrichtsformen dazu beitragen, die Schüler auch emotional anzusprechen und zum entdeckenden Lernen anzuregen.

Der Geschichtsunterricht in den Jahrgangsstufen 11 und 12 ist durch eine stärker strukturelle Ausrichtung gekennzeichnet. Dabei spielen Längs- und Querschnitte, Vergleiche und problemorientierte Fallstudien eine große Rolle. Die seit der 6. Klasse erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten werden unter neuen Perspektiven und in neuen Zusam­menhängen angewendet und vertieft. Die Wahl eines W- oder P-Seminars Geschichte eröffnet den Schülern die Möglichkeit, sich wissenschafts- oder praxisnah mit Themen zu befassen, die den Stoff des Lehrplans vertiefen und ergänzen. Lokal- oder regionalgeschichtliche Aspekte der Geschichte sind Inhalte von Pro­jekten auf allen Jahrgangsstufen.

Vergangenheit kann aber auch unmittelbar erlebt werden: München bietet vielfältige Möglichkeiten, Museen, Archive, Gedenkstätten zu besuchen und dabei „Geschichte vor Ort“ zu begegnen. Ein wichtiges Anliegen unseres Faches ist es, einen Beitrag zur Werte- und Demokratieerziehung zu leisten. Frieden und Freiheit, Demokratie und Wohlstand sind keine historischen Zufälle, sondern Ergebnis zum Teil dramatischer historischer Prozesse. Der Geschichtsunterricht soll dazu beitragen, dass unsere Schüler die Bedeutung von Freiheit, Frieden und Demokratie, Völkerverständi­gung und europäischer Integration erkennen. Als Vorbild dient uns nicht zuletzt der Namensgeber unserer Schule!

Thomas Wende 2019

 

Veranstaltungen 2018:

 

 

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Jens-Jürgen Ventzki und Daniel Targownik

 

Gesprächsforum zum Anlass des Holocaust-Gedenktages

Da sich am 27.01.2018 der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum dreiundsiebzigsten Mal jährte, trafen sich am folgenden Montag, den 29.01., die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zu zwei Gesprächspodien mit Daniel Tragownik und Jens-Jürgen Ventzki. Daniel Targowniks Vater überlebte das Lodzer Ghetto „Litzmannstadt“ und das Lager Auschwitz, während Jens-Jürgen Ventzkis Vater, Werner Ventzki, von 1941 bis 1945 der Bürgermeister von Lodz war. Damit zeichnete er sich verantwortlich für die Organisation des Ghettos „Litzmannstadt“, das nach dem Warschauer Ghetto das zweitgrößte in Polen war.

Daniel Targownik und Jens-Jürgen Ventzki erzählten zunächst aus dem Leben ihrer Väter und schilderten dann auch ihre eigenen Erfahrungen. Viele Fotos illustrierten die Biografien ihrer Väter und das Leben mit ihnen. Anschließend nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, mit den Podiumsgästen das Gespräch zu suchen. Besonders beeindruckten die Zuhörer der persönliche Zugang zur Vergangenheit sowie die Tatsache, dass beide Gäste trotz ihrer gegensätzlichen Geschichte zu Freunden geworden sind. Auch die aktuelle Entwicklung des Antisemitismus und die Lage des heutigen Israels wurden thematisiert. Die musikalische Umrahmung lag in den Händen der Schülerin Natalie Palecek, die mit ihrer Geige Klezmer-Musik spielte. Thomas Wende dankt Zoltan Ambrus, Jan Bertram und den Schülerinnen und Schülern der Technikgruppe, die zum Gelingen der Veranstaltung beitrugen.